Feuerwerk fotografieren

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Am letzten Wochenende war das Seenachtfest in Konstanz. Ich hatte die Gelegenheit vor Ort zu sein. Absolutes Highlight dieser Veranstaltung ist ein über 30-minütiges Feuerwerk auf dem Bodensee. Ich plante schon im Vorfeld, das Feuerwerk zu fotografieren und so hatte ich die notwendige Ausrüstung dabei. Dieses Feuerwerk ist wirklich sehenswert. In dieser Form hatte ich so etwas bisher noch nicht gesehen.

Wirklich grandios ist das ganze Ambiente um das Feuerwerk herum. Die Tatsache, dass das Feuerwerk von Schiffen auf dem See aus gezündet wird und das tausende Besucher am Ufer es verfolgen, findet man wohl so oft nicht.

Wenn ich das Event so Revue passieren lasse, fallen mir doch ein paar Punkte auf, die ich richtig gemacht habe und einige, die sich auch noch verbessern lassen. Diese Gedanken möchte ich hier darlegen und damit ein paar Tipps geben, was man beim Fotografieren eines Feuerwerks beachten sollte.

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Standort

Der Standort ist das A und O bei der Aufnahme und zwar in zweierlei Hinsicht. Je nachdem wie man die Aufnahmen plant, möchte man eventuell etwas von der Umgebung mit auf dem Bild haben. Denn obwohl es bei einem Feuerwerk quasi immer dunkel ist, wird durch die Feuerwerkskörper teilweise sehr viel Licht abgeben, so dass die Umgebung ebenfalls beleuchtet wird. Beim Seenachtfest diente das Wasser als Spiegel und verlieh so automatisch der Umgebung Kontur. Die Kamera muss natürlich auch so ausgerichtet werden, dass nicht nur der Himmel anvisiert wird.

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Der zweite wichtige Punkt beim Standort betrifft den Wind. Je nach Umfang des Feuerwerks entsteht recht viel Qualm. Optimal wäre also ein Standpunkt, zu dem der Qualm nicht hinzieht. Natürlich ist das auch immer von den Örtlichkeiten abhängig. Beim Seenachtfest kam der Wind vom See. Das ist sicher nicht günstig, aber man war quasi gezwungen, direkt im Qualm zu stehen. Glücklicherweise wurde das Feuerwerk von zwei Positionen gestartet, wobei die erste Position etwas seitlich von meinem Standpunkt war und mich daher der Qualm nicht erreichte. Bei der zweiten Position war es etwas anders. Gerade gegen Ende stand ich voll in der Qualm- und Aschewolke. Das trübt sicher etwas das Bild, aber erkennbar sind die verschiedenen Effekte dennoch. Wenn möglich, würde ich aber trotzdem immer eine Position abseits des Qualms bevorzugen.

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Ausrüstung

Absolut unverzichtbar bei der Fotografie von Feuerwerk ist ein Stativ. Die etwas längeren Belichtungszeiten lassen sich aus der Hand einfach nicht mehr gut bewerkstelligen. Außerdem fand ich einen kabelgebundenen Fernauslöser sinnvoll. Denn selbst wenn die Kamera fest auf einem Stativ geschraubt ist, können durch Betätigen des Auslösers kleine Bewegungen entstehen, die gerade bei den feinen Strukturen vom Feuerwerk sichtbar sind.

Die Art des Objektivs ist natürlich auch etwas vom Standort abhängig. Ich dachte, dass ich mit meinem 17-70mm gut gerüstet bin. Für die erste Position, von der das Feuerwerk gestartet wurde, war es auch perfekt. Mit einem leichten Zoom von 25-30mm habe ich die Szenerie recht gut abbilden können.

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Für die zweite Position wollte ich ausschließlich die kleinste Brennweite verwenden, da ich doch recht nah an den Schiffen stand. Als ich die Kamera aufbaute, war ich überzeugt, dass der Bildwinkel reicht, da doch recht viel vom Himmel zu sehen war. Wie sich aber bald herausstellte, gingen die Raketen doch unglaublich hoch und zeigten ihre Bilder scheinbar direkt über dem Kopf. Diese konnte ich dann einfach nicht mehr voll erfassen. Eine noch kleinere Brennweite wäre hier sicher hilfreich gewesen.

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Fokus

Normalerweise ist es bei einem Feuerwerk stockdunkel. Fokussieren mit der Spiegelreflex ist damit kaum möglich, zu mindestens mit meiner Kamera nicht. Ich kenne drei Möglichkeiten, den Fokus dennoch einzustellen.

Zum Einen kann das Equipment schon vor der Dunkelheit aufgebaut und eingestellt werden. Ich habe während der Dämmerung das Stativ aufgestellt und die Kamera eingestellt. Es war genug Licht vorhanden, das ich den Fokus einstellen konnte.

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Die zweite Möglichkeit der Fokussierung verwendet die wenig vorhandenen Lichter. Meist befinden sich irgendwo in einiger Entfernung ein paar Lichtquellen von Häusern oder Straßenbeleuchtung, die für die Fokussierung genutzt werden können. Eventuell muss die Kamera etwas probieren, aber sie kann durchaus auch mit diesen Lichtern einen Fokus finden und setzen.

Die dritte Möglichkeit setzt ein wenig Kenntnis des Objektivs und der manuellen Fokussierung voraus. Das Vorgehen sollte man auf jeden Fall vorher im Hellen mal ausprobiert haben. Bei einem Feuerwerk wird eigentlich immer ein Fokus auf unendlich benötigt. Deshalb setzt man zuerst die Fokussierung auf den manuellen Modus. Anschließend dreht man den Fokusring des Objektivs bis zum Anschlag auf die Seite der Unendlich-Fokussierung. Meist muss man dann aber den Fokusring noch ein kleines Stück zurückdrehen, damit der Fokus perfekt sitzt.

Bei allen 3 Fokusmethoden gilt danach, dass der manuelle Fokusmodus eingestellt wird. Sonst sucht sich die Kamera später am schwarzen Nachthimmel vergeblich einen Fokuspunkt und „pumpt“ die Fokuslinse fleißig hin und her. Natürlich sollte man dann auch während der Aufnahmen das Verändern des Fokusrings vermeiden.

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Belichtung

Die Belichtung setzt sich aus der Empfindlichkeit, der Blende und der Belichtungszeit zusammen. Bei Feuerwerken muss man bei der Belichtungszeit flexibel sein. Je nach gezündetem Feuerwerkskörper sind unterschiedliche Belichtungszeiten notwendig. Die Raketen kommen Schlag auf Schlag. Die Belichtungseinstellungen zwischen einzelnen Fotos zu ändern, ist quasi nicht möglich. Auch die Belichtungsautomatik versagt aufgrund der Lichtverhältnisse gnadenlos.

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Es ist also volle Kontrolle über die Belichtung und vor allem über die Belichtungszeit notwendig. Ich habe mich deshalb für den Bulb-Modus entschieden. D.h. bei jedem Bild bestimmt man selbst, wie lange belichtet wird, während Empfindlichkeit und Blende voreingestellt ist. Die beiden festen Parameter muss man dann natürlich so einstellen, dass je nach Belichtungszeit auf dem finalen Bild auch etwas zu sehen ist. Ich habe mich für eine Blende von f/6,3 und einer Empfindlichkeit von ISO 400 entschieden. Damit waren Belichtungen von einer halben Sekunde bis zu 2 Sekunden möglich. Natürlich ist das auch von der Helligkeit der Feuerwerkskörper abhängig. Und sicher ist die Belichtungszeit auch nicht für jedes Bild ideal, aber Kompromisse muss man aufgrund der Gegebenheiten eben eingehen. Der Ausschuss ist deshalb echt enorm. Ich hatte knapp 400 Bilder gemacht, von denen ca. 30-40 wirklich brauchbar sind.

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Nachbearbeitung

Wirklich viel Nachbearbeitung war nicht notwendig. Mein Stativkopf war nicht 100% korrekt auf die erste Position des Feuerwerks eingestellt, so dass der Horizont dort etwas gekippt ist. Ich habe in der Nachbearbeitung also das Bild soweit wie möglich begradigt und bei allen Bildern den Ausschnitt angepasst.

Meine Kamera zeigt schon bei geringer Erhöhung der Empfindlichkeit ein deutliches Rauschen. Das wollte ich so in den finalen Bildern nicht haben und habe deshalb das Rauschen etwas reduziert. Ansonsten war ich mit den „Bildern out of Cam“ absolut zufrieden und habe keine weitere Bearbeitung durchgeführt.

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In diesem Sinne, danke fürs Lesen und bleibt begierig.

Gruß chuqa

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