Fotografieren ohne Belichtungsmesser

Wie fotografiert man ohne Belichtungsmesser? Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht?

Zugegeben, wenn man nur mit ein digitalen Kamera unterwegs ist, stellt sich die Frage nicht. Denn, wenn der eingebaute Belichtungsmesser nicht funktioniert, funktioniert die gesamte Kamera nicht mehr. Aber benutzt man ab und zu eine analogen Kamera, kann es schon vorkommen, dass der Belichtungsmesser mal ausfällt, ohne dass damit gleich die Kamera funktionsuntüchtig ist. Denn der eingebaute Belichtungsmesser von analogen Kamera funktioniert meines Wissens nach über eine Batterie, d.h. sobald diese leer ist, funktioniert auch der Belichtungsmesser nicht mehr.

Aber auch wenn der Belichtungsmesser im digitalen Zeitalter quasi immer dabei und nicht mehr wegzudenken ist, denke ich, dass Wissen über Belichtung ohne Messgerät ganz wertvoll ist.  Zum Einen kann man sich für ein Motiv schon vorher ein mögliches Belichtungsszenario überlegen. Zum Anderen kann so sehr schnell die möglichen Belichtungen ohne eine Messung abgewägt werden. Ich komme darauf gleich nochmal zurück.

Belichtung

Bevor ich auf darauf zu sprechen komme, wie die Belichtung anhand des Motivs bewertet werden kann, erst noch etwas Allgemeines zur Belichtung. Wie wir als Fotografen wissen, setzt sich die Belichtung eines Motivs aus Blende, Belichtungszeit und Empfindlichkeit zusammen. Alle 3 Parameter hängen direkt voneinander ab und beeinflussen sich gegenseitig. So kann z.B. mit einer längeren Belichtungszeit die Blende kleiner (Öffnung größer) und/oder Empfindlichkeit geringer gewählt werden. Mit allen 3 Parameter kann der Look entscheidend beeinflusst werden. So ist die Blende für die Schärfentiefe verantwortlich. Die Belichtungszeit beeinflusst vor allem bei bewegten Motiven oder bei Kamerabewegung das Motiv und die Empfindlichkeit hat hauptsächlich Auswirkung auf das Rauschverhalten des Bildes. Es kann also bewusst auf die Abbildung des Motivs Einfluss genommen werden.

Sunny 16

Nun aber zur Regel mit der auch ohne Belichtungsmesser die richtige Belichtung annähernd bestimmt werden kann. Im Podcast Happyshooting Folge 228 „Gegeogetagged“ wurde diese Regel besprochen, daher rührt auch dieser Blogbeitrag. Es handelt sich dabei um die Regel „Sunny 16“. Diese Regel besagt, dass bei sonnigem Wetter, die Blende 16 und die Belichtungszeit umgekehrt zur Empfindlichkeit gewählt wird, d.h. bei eine ISO 100 beträgt Belichtungszeit 1/100 s. Damit hat man einen Anhaltspunkt um die Belichtung nach seinen Vorstellungen anzupassen. So kann dann z.B. mit Öffnen der Blende auf 11 die Belichtungszeit auf 1/200 s halbiert oder die Empfindlichkeit auf ISO 200 angehoben werden.

Folgendes Bild habe ich genau nach dieser Regel bei der Mittagssonne mit Blende 16, ISO 100 und Belichtungszeit von 1/100 s aufgenommen.

Bild ohne Belichtungsmesser aufgenommenWenn man sich das Histogramm (rechts) anschaut, sieht man, dass das Bild ausgeglichen beleuchtet ist. Klar es fehlen die Mitten, aber das ist dem Motiv geschuldet. Vielmehr konzentrieren sich die Helligkeitswerte sowohl im hellen (Himmel) als auch im dunklen (Wald) Bereich. Aber es gibt keine Verschiebung des Histogramms zum hellen oder dunklen Bereich, so dass keine Unter- oder Überbelichtung vorliegt.

Nun nochmal zurück zum Abwägen von möglichen Belichtungsszenarien. Bei meiner analogen Kamera habe ich z.B. eine minimale Belichtungszeit von 1/500 s. Wenn ich nun ein Motiv bei strahlendem Sonnenschein mit geringer Schärfentiefe ablichten will, weiß ich, dass das mit Blende 2.8 schon mal nicht funktioniert. Von Blende 16 zu Blende 2.8 sind es 5 Blendenschritte. Bei jedem Schritt wird die Lichtmenge verdoppelt, d.h. ich muss die Belichtungszeit halbieren. Eine Belichtungszeit von 1/100s gibt es bei meiner analogen Kamera auch nicht. Das nächste wäre 1/125 s. Die ISO gibt der Film vor, so kann man das auch nur bedingt beeinflussen. Angenommen es wäre ein Film mit ISO 100 eingelegt, so könnte die Blende bei der maximal kürzesten Belichtungszeit von 1/500 s „nur“ um 2 Schritte (1/125s = f 16 -> 1/250 s = f 11 -> 1/500 s = f 8 ) auf Blende 8 geöffnet werden, ohne dass das Motiv überbelichtet wird. Möchte ich also noch eine geringere Schärfentiefe durch eine größere Blende erhalten, muss ich auf schlechtere Lichtbedingungen warten oder aber einen Graufilter nutzen.

Damit möchte ich diesen Beitrag beenden. Für weitere Informationen sei der Wikipedia-Artikel zu Sunny 16 empfohlen. Ich denke für Fotografen kann das Wissen über diese Regel ganz interessant sein, auch wenn für Digitalfotografen es wohl kaum Bedeutung haben wird.

In diesem Sinne, bleibt begierig.

Gruß chuqa

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